20.000 Unterschriften gegen Fiaker in Wien: Petition an Bürgermeister Ludwig übergeben
20.000 Unterschriften gegen Fiaker in Wien: Petition an Bürgermeister Ludwig übergeben 20.000 Unterschriften gegen Fiaker auf Wiens Straßen: Der Österreichische Tierschutzverein übergab die Petition an Bürgermeister Michael Ludwig. Alle Forderungen und Reaktionen. Topics: Nachrichten, Verkehr.
Die Debatte um die Wiener Fiaker hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Am 2. Juli 2026 übergab der Österreichische Tierschutzverein (ÖTV) Bürgermeister Michael Ludwig eine Petition mit 20.000 Unterschriften unter dem Titel «Fiaker raus aus dem Straßenverkehr». Dieser Artikel fasst die Forderungen der Aktivisten, die Reaktion der Stadtregierung und die Perspektiven für die traditionellen Pferdekutschen zusammen.
Die zwei zentralen Forderungen der Petition
Die Petition des Österreichischen Tierschutzvereins enthält zwei Hauptforderungen. Erstens: ein vollständiges Verbot von Fiakerfahrten im Wiener Straßenverkehr. Zweitens: die sofortige Einführung von Hitzefrei für Fiakerpferde ab 30 Grad Celsius.
Wie Kampagnenmanager Jakob Innauer bei der Übergabe im Rathaus erklärte, seien die 20.000 Unterschriften erst der Anfang. «Wir sind überzeugt, dass noch viele weitere dazukommen werden», so Innauer. «Ob Fiaker auch künftig im Wiener Straßenverkehr unterwegs sind, ist keine rein wissenschaftliche, sondern vor allem eine politische Entscheidung. Die Verantwortung dafür trägt die Stadt Wien.»
Die Organisation betont, dass es nicht allein um Hitzeschutz geht, sondern um eine grundsätzliche Neubewertung der Rolle von Pferdekutschen in einer modernen Millionenstadt. Wie MeinBezirk.at berichtet, ist die Petition das Ergebnis einer langjährigen Kampagne, die durch die extreme Junihitze neuen Auftrieb bekam.
Hitzewelle als Auslöser der Protestwelle
Der Juni 2026 war einer der heissesten in der Geschichte Wiens. In den sozialen Medien verbreiteten sich Bilder und Videos von Fiakerpferden, die stundenlang in der prallen Sonne auf dem heissen Asphalt ausharren mussten, während ihre Kutscher sich unter Sonnenschirmen vor der Hitze schützten.
Besonders grosse Aufmerksamkeit erregte ein Video, das am 25. Juni 2026 am Stephansplatz aufgenommen wurde. Laut ÖTV erreichte der Clip innerhalb weniger Tage rund eine Million Aufrufe. Es zeigt Pferde, die angespannt auf Fahrgäste warten, ohne Zugang zu Schatten oder Wasser.
Wie Vienna.at meldet, hat sich die Debatte längst über den Tierschutz hinaus auf die gesamte Stadtgesellschaft ausgeweitet.
Kritik an der städtischen Hitzestudie
Ein zentraler Streitpunkt ist die offizielle Haltung des Magistrats. Die Stadt beruft sich auf die Studie «Pferdenutzung in Zeiten des Klimawandels» der MA 60 – Veterinäramt und Tierschutz.
Der ÖTV übt scharfe Kritik an dieser Untersuchung. Die letzten Datenerhebungen und Testfahrten fanden Mitte Juni 2026 statt. Die besonders heissen Tage Ende Juni sowie die Sommermonate Juli und August — die für die Fragestellung relevantesten Zeiträume — wurden nicht berücksichtigt. Aus Sicht des Vereins ist die Studie damit methodisch unzureichend.
20.000 Unterschriften sind erst der Anfang. Ob Fiaker auch künftig im Wiener Straßenverkehr unterwegs sind, ist keine rein wissenschaftliche, sondern vor allem eine politische Entscheidung.
— Jakob Innauer, Kampagnenmanager des Österreichischen Tierschutzvereins
Das SPÖ-Wahlprogramm als Argument
In ihrem Schreiben an Bürgermeister Ludwig erinnert der ÖTV an das Wahlprogramm der SPÖ Wien. Darin heisst es unter anderem, dass das Wohl der Fiakerpferde nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen vernachlässigt werden dürfe und Wien jedes Leben — Mensch, Natur und Tier — schützen wolle.
Die Aktivisten interpretieren diese Formulierungen als Handlungsauftrag. Wie The International berichtet, erwarten viele Wienerinnen und Wiener nach jahrzehntelanger Diskussion nun konkrete politische Massnahmen.
Die Gegenseite: Kultur vs. Tierschutz
Die Petition hat auch mächtige Gegner. Die Wiener Fiaker sind seit dem 17. Jahrhundert fester Bestandteil des Stadtbildes und ein wichtiger Touristenmagnet. Jährlich buchen Tausende Gäste Kutschfahrten durch die Altstadt, was den Fiakerbetreibern und angrenzenden Branchen erhebliche Einnahmen bringt.
Ein Versuch der Fiaker, 2024 den Status des immateriellen UNESCO-Kulturerbes zu erlangen, scheiterte — nicht zuletzt aufgrund des Widerstands von Tierschutzorganisationen. Dennoch bleibt die Frage offen, ob sich eine jahrhundertealte Tradition mit modernen Tierwohlstandards vereinbaren lässt.
Laut Verein gegen Tierfabriken (VGT) ist jedes Pferd bis zu 18 Tage pro Monat im Einsatz und arbeitet unter Lärm, Abgasen und auf hartem Asphalt — Bedingungen, die den natürlichen Bedürfnissen der Tiere widersprechen.
Wie geht es weiter?
Der ÖTV wird die Unterschriftensammlung fortsetzen. Das Ziel ist es, den Druck auf die Stadtregierung weiter zu erhöhen.

Parallel dazu läuft die Kampagne von Vier Pfoten, die in den vergangenen Jahren bereits über 80.000 Unterschriften gesammelt hat. Die Forderungen sind identisch: Hitzefrei ab 30 Grad und ein langfristiges Fiaker-Verbot im Stadtverkehr.

Häufig gestellte Fragen
Wer hat die Petition gestartet? Der Österreichische Tierschutzverein (ÖTV) initiierte die Petition «Fiaker raus aus dem Straßenverkehr». Unterstützt wird sie von Vier Pfoten und dem Verein gegen Tierfabriken.
Wie viele Unterschriften wurden gesammelt? Zum Zeitpunkt der Übergabe am 2. Juli 2026 waren es 20.000 Unterschriften. Die Sammlung läuft weiter.
Was genau wird gefordert? Ein vollständiges Fiaker-Verbot im Wiener Straßenverkehr und Hitzefrei für die Pferde ab 30 Grad Celsius.
Hat die Petition Aussicht auf Erfolg? Die politische Entscheidung liegt bei der Stadt Wien. Der öffentliche Druck wächst, aber die Fiaker haben weiterhin starke wirtschaftliche und kulturelle Fürsprecher.
Ausblick: Zukunft der Fiaker in Wien
Die Entwicklung rund um die Fiaker zeigt, wie der Klimawandel die Stadtpolitik auch in traditionellen Bereichen verändert. Die 20.000 Unterschriften sind kein isolierter Protest, sondern Teil eines gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Tierwohl im urbanen Raum.
Das Rathaus hat sich noch nicht zu konkreten Massnahmen durchgerungen. Angesichts des SPÖ-Wahlprogramms und der wachsenden öffentlichen Unterstützung für die Petition wird es jedoch zunehmend schwieriger, das Thema auszusitzen. Abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine Entwicklung zu diesem und anderen Themen rund um das Leben in Österreich zu verpassen.
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