Ausländische Eltern über österreichische Schulen: Was stört und was Familien ändern möchten
Ausländische Eltern über österreichische Schulen: Was stört und was Familien ändern möchten Ausländische Eltern über österreichische Schulen: In der Local-Umfrage nennen Familien frühe Selektion, Deutschförderung und Integration als Hauptprobleme. Topics: Nachrichten, Freizeit & Kultur.
Wenn Ausländer nach Österreich ziehen, erleben sie mehrere Kulturschocks — sonntags geschlossene Geschäfte, eigenwilliger Service. Doch es gibt einen weiteren Ort, an dem ausländische Eltern Ratlosigkeit spüren: die österreichische Schule. Im März 2026 veröffentlichte The Local den zweiten Teil einer Recherche. Darin erzählten ausländische Eltern, was sie stört und welche Reformen sie sich für österreichische Schulen wünschen. Eine Zusammenfassung folgt.
Schule als Kulturschock
Für jemanden, der nicht in Österreich aufgewachsen ist, erfordert das Bildungssystem Gewöhnung. Der Hauptkritikpunkt: Kinder werden bereits nach der Volksschule (Grundschule, bis zur 4. Klasse, mit zehn Jahren) auf verschiedene Bildungswegen aufgeteilt — das Gymnasium (AHS, Allgemein bildende höhere Schule), die Mittelschule und später die BHS (Berufsbildende höhere Schule). Die Entscheidung über den Weg des Kindes fällt mit zehn Jahren. Für Familien aus Ländern mit einer Gesamtschule ist das belastend.
Das bedeutet nicht, dass alles schlecht ist. Viele Befragte loben die Stärken — kostenloser Besuch, Qualität der Lehrer. Doch es gibt konkrete Punkte, die ausländische Eltern verändern möchten.
”Machen Sie das Lernen inspirierend”
Victoria, 48, Wien, findet, österreichischen Schulen fehle es an Innovation:
“Machen Sie das Lernen deutlich inspirierender, damit die Kinder begeistert und aufgeregt von dem nach Hause kommen, was sie gelernt haben.”
— Victoria, 48, Wien
Mariana aus Rumänien (Wien) ergänzt: Sie wünscht sich “klare Erwartungen seitens der Lehrer … eine Bindung zum Schüler aufbauen”. Ihrer Erfahrung nach fehlt oft der Austausch zwischen Lehrkraft und Kind.
Andere Befragte beklagen die fehlende Standardisierung zwischen Lehrern — “die eine nennt es Anarchie, die andere Lotterie”, formulierte es eine Mutter.
Frühe Selektion — der Hauptkritikpunkt
Fasst man alle Antworten zusammen, wird die frühe Selektion (early tracking) nach der 4. Klasse am häufigsten genannt. László, 51, aus Ungarn (Wien), ist mit dem System insgesamt zufrieden. Doch genau dieser Punkt beunruhigt ihn — wie die meisten anderen Befragten.
Majella Grawatsch, 38, aus Australien (Wien, Mutter von zwei Kindern):
“Es ist schade, dass man mehr als 30.000 für eine Privatschule zahlen muss, für das, was anderswo Standard ist. Ich würde alles ändern, wenn ich könnte.”
— Majella Grawatsch, 38, Wien
Ihre Kinder hätten zeitweise gehasst, zur Schule zu gehen, und sie war bereit, sie herauszunehmen. Sie wünscht sich außerdem mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung, damit “Mütter an den Arbeitsplatz zurückkehren und die österreichische Wirtschaft auf die Beine kommt”.
Sprache und Integration
Viele Befragte fordern eine intensivere Förderung für ausländische Kinder:
- Nikša, 46, Kroatien (Graz) — möchte eine “verantwortliche Person für Integration” (dedicated person for integration) an den Schulen.
- Kat, 44, Großbritannien (Wien) — braucht “mehr zweisprachige Klassen” und “zusätzlichen Deutschunterricht nach der Schule, nicht währenddessen — wenn die Kinder dem Mathematikunterricht entzogen werden”.
- Emma, 44, Irland — mehr Hilfe für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Dazu die Möglichkeit, verschiedene Sprachen zu lernen, “um die sprachliche Realität Wiens widerzuspiegeln”.
Die Sprachbarriere ist ein eigener Schmerzpunkt: Ausländische Kinder bleiben oft zurück, weil die Deutschförderung schlecht in den Schulalltag integriert ist.
Informationen und Transparenz
Ein weiteres wiederkehrendes Thema ist der Mangel an englischsprachigen Informationen. Daniel, 44, aus der Slowakei (Burgenland), bittet um “eine Erklärung der Systemregeln auf Englisch”. Für Familien, die gerade eingereist sind, ist es ohne Deutsch fast unmöglich, sich bei Schulformen, Anmeldefristen und Anforderungen zurechtzufinden.
László ergänzt: Er wünscht sich, dass öffentliche Schulen von privaten lernen — mehr Mentoring, “Eltern-zu-Eltern”-Veranstaltungen und Unterstützung der Gemeinschaft.
Wie es weitergeht
The Local plant, eine österreichische Bildungsexpertin zu interviewen. Die Themen, die Ausländer beschäftigen, sind frühe Selektion, Integration, Sprache und Transparenz. Solange das System unverändert bleibt, müssen sich ausländische Eltern anpassen: private Schulen suchen, Deutsch-Nachhilfe einstellen, sich in Gemeinschaften zusammenschließen.
Für alle, die einen Umzug planen, ist es sinnvoll, sich früh über die Schulformen (Volksschule, AHS, Mittelschule, BHS) zu informieren. Wer versteht, in welchen Zweig das Kind voraussichtlich kommt, nimmt sich einen Teil des Stresses in den ersten Monaten nach dem Umzug.
Bleib auf dem Laufenden mit Österreich-News
Die wichtigsten Themen der Woche — Nachrichten, Ratgeber und Einblicke zum Leben in Österreich. Jeden Sonntag in deinem Postfach.