Mobbing, Betrug und Fake News: Wie Österreichs Lehrlinge digitale Selbstverteidigung lernen
Mobbing, Betrug und Fake News: Wie Österreichs Lehrlinge digitale Selbstverteidigung lernen Österreichische Initiative zur digitalen Selbstverteidigung: STANDARD und SPAR bringen Lehrlingen bei, Fakes, Betrug und Cybermobbing zu erkennen und sich gegen digitale Manipulation zu schützen. Topics: Nachrichten, Technologie, Karriere & Bildung.
Mit Krypto reich werden? Das ist ganz einfach, versprechen Influencer auf TikTok und Instagram, während sie vor Lamborghinis posieren. Gleichzeitig verbreiten sich täuschend echte KI-Bilder, Cybermobbing gehört für viele Jugendliche zum Alltag und Betrugsmaschen werden immer raffinierter. Als Antwort auf diese Herausforderungen hat Österreich ein Projekt gestartet, das Schüler und Lehrlinge in “digitaler Selbstverteidigung” schult – der Fähigkeit, Fakes zu erkennen, Algorithmen zu verstehen und sich gegen digitale Manipulation zu schützen. Wir zeigen, wie die Medienkompetenz-Initiative von DER STANDARD und SPAR funktioniert und warum sie auch für internationale Familien in Österreich wichtig ist.
Wie die Medienkompetenz-Initiative aufgebaut ist
Der “Medienkompetenz-Tag” fand in der SPAR-Akademie im Wiener Bezirk Hietzing statt – einer privaten Berufsschule mit Öffentlichkeitsrecht, in der künftige Einzelhandelskaufleute ausgebildet werden. 130 Lehrlinge nahmen an fünf Workshops teil, die von 13 Redakteurinnen und Redakteuren des STANDARD geleitet wurden. Organisiert wurde das Projekt vom Medienhaus gemeinsam mit der SPAR Österreich im Rahmen der Initiative “Zukunft Medienkompetenz”.
Das Programm deckte vier zentrale Themen ab: Erkennung von Fake News und Deepfakes, Verständnis von Algorithmen in sozialen Netzwerken, Schutz vor Cybermobbing und Abwehr von Online-Betrug. Wie DER STANDARD berichtet, lag der Fokus bewusst auf Lehrlingen – jener Gruppe, die in bildungspolitischen Diskussionen oft übersehen wird.

Warum “digitale Selbstverteidigung” notwendig geworden ist
Nana Siebert, stellvertretende Chefredakteurin des STANDARD und Initiatorin des Projekts, nennt dieses Konzept “digitale Selbstverteidigung”. Während das Fach “Medienbildung und Demokratie” in den Oberstufen der Gymnasien verpflichtend wird, bleiben diese Kompetenzen in anderen Schulformen oft auf der Strecke.
Lehrlinge werden in Bildungsdebatten oft übersehen. Dabei sind auch sie Jugendliche, die täglich mit Desinformation, Betrugsmaschen und Cybermobbing konfrontiert sind.
— Nana Siebert, stellvertretende Chefredakteurin, DER STANDARD
Alois Huber, Geschäftsführer der SPAR in Wien, Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland, betonte, dass Verbote sozialer Netzwerke der falsche Weg seien. “Viel wichtiger ist es, junge Menschen aufzuklären und auf diese neue Welt vorzubereiten”, sagte er. Die Möglichkeit, Medienkompetenz-Seminare anzubieten, sei nicht nur eine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine Verantwortung der Unternehmensführung.
Laut Saferinternet.at, der österreichischen Initiative für sichere Internetnutzung, ist Cybermobbing in der EU für etwa jede/n sechste/n Jugendliche/n ein Problem. In Österreich engagiert sich auch das Bildungsministerium: Jährlich im Februar findet der Safer Internet Day statt, an dem Schulen im ganzen Land Unterrichtseinheiten zum sicheren Umgang mit dem Internet abhalten.
Wie Algorithmen funktionieren und warum das Handy so schwer wegzulegen ist
Ein Workshop widmete sich der Funktionsweise von Algorithmen in sozialen Medien. Die Lehrlinge erfuhren, warum der persönliche Feed bei jedem Nutzer anders aussieht und warum es so schwer ist, das Smartphone aus der Hand zu legen: Die Plattformen sind darauf ausgelegt, möglichst viel Aufmerksamkeit zu binden.
Nana Siebert und Wissenschaftsredakteurin Marlene Erhart formulierten es pointiert: “Ihr seid nicht die Spieler. Ihr seid der Ball.” Algorithmen belohnen Empörung – und die entsteht nicht immer aus der Wahrheit. Da Fake-Informationen oft besonders emotional sind, verbreiten sie sich schneller.
Die Lehrlinge reflektierten auch ihre eigene Bildschirmzeit. Pascal, ein Lehrling im dritten Ausbildungsjahr, berichtete: “Letzten Montag hatte ich ungefähr 6,5 Stunden. Jetzt versuche ich, das schon ein bisschen zu reduzieren.” Für viele Jugendliche sind mehrere Stunden tägliches Scrollen am Smartphone völlig normal.
Krypto-Influencer, geliehene Lamborghinis und KI-Stimmen
Das Thema Online-Betrug stieß auf größtes Interesse. STANDARD-Redakteur Benedikt Narodoslawsky spielte den Lehrlingen eine täuschend echte KI-Version seiner eigenen Stimme vor, die Kollegen um ihre Kreditkartendaten bat. Ein Anruf, bei dem Betrüger Freunde oder Verwandte davon überzeugen, dass jemand in einer Notlage sei – das ist keine Zukunftsfantasie mehr.
Ein weiterer Workshop entlarvte die Taktiken von Krypto-Influencern. Redakteur Peter Zellinger erklärte, dass die Lamborghinis, mit denen Influencer ihren finanziellen Erfolg demonstrieren, oft nur für das Fotoshooting gemietet oder ausgeliehen sind. Die Kennzeichen auf vielen Bildern sind identisch – ein Detail, das aufmerksamen Betrachtern auffällt.
Die Lehrlinge diskutierten auch rechtliche Fragen: Sind KI-generierte Nacktbilder eines Kollegen ein rechtliches Problem? Kann ein Like unter einem Beitrag ein Risiko darstellen? Und wie stoppt man Cybermobbing? Damaris, eine Lehrling im ersten Ausbildungsjahr, meinte: “Es gibt inzwischen so viele KI-generierte Bilder, dass man sie fast nicht mehr unterscheiden kann, weil sie schon sehr gut geworden sind.”

Ausblick: Neue Veranstaltungen im Herbst
DER STANDARD unterstützt Schulen bereits seit zwei Jahren bei der Medienkompetenz. Bisher lag der Fokus darauf, Lehrkräften die nötigen Werkzeuge für den Unterricht zu geben. Mit den Projekttagen für Lehrlinge baut das Medium seine Initiative nun gemeinsam mit Unternehmen wie SPAR aus. Neue Veranstaltungen sind für Herbst 2026 geplant.
Laut Bundesministerium für Bildung stand der Safer Internet Day 2026 unter dem Motto des verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien und dem Aufbau von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Im Aktionsmonat Februar fanden in ganz Österreich Schulstunden und Vorträge mit Expertinnen und Experten für Cybersicherheit statt.
Die SPAR-Akademie, in der der “Medienkompetenz-Tag” stattfand, ist eine besondere Schule. In der privaten Berufsschule lernen Jugendliche aus 34 verschiedenen Nationen. Die Schule geht regelmäßig über den Standard-Lehrplan hinaus und veranstaltet Herkunftstage, Innovationsprojekte und Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist “digitale Selbstverteidigung”? Dieses Konzept wurde von der STANDARD-Redaktion entwickelt und vermittelt Jugendlichen, wie sie Fakes erkennen, Algorithmen verstehen, sich vor Cybermobbing schützen und Online-Betrug abwehren können.
Wo finden solche Workshops statt? Das Pilotprojekt wurde in der SPAR-Akademie in Wien-Hietzing durchgeführt. Für Herbst 2026 sind neue Veranstaltungen für Berufsschüler geplant.
Wie können internationale Familien in Österreich ihre Kinder zu digitaler Sicherheit erziehen? Eine gute Anlaufstelle ist Saferinternet.at mit kostenlosen Materialien auf Deutsch für Eltern und Schüler. Fragen Sie auch in der Schule Ihres Kindes nach, ob sie am Safer Internet Day teilnimmt.
Warum ist das besonders wichtig für Kinder von Zugewanderten? Kinder aus Migrantenfamilien sind oft mit zusätzlichen Risiken konfrontiert: Sprachbarrieren erschweren das Erkennen von Betrugsmaschen, und kulturelle Unterschiede können offene Gespräche mit den Eltern behindern.
Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts
Der “Medienkompetenz-Tag” in der SPAR-Akademie hat gezeigt: Österreichische Schulen und Unternehmen nehmen die digitale Bildung ernst. Die Botschaft des Projekts ist einfach: Im Zweifel kurz innehalten und sich fragen, ob diese Information wirklich wahr sein kann. Und immer wieder mit Familie oder Freunden darüber sprechen – und darüber nachdenken, wem dieser oder jener Inhalt tatsächlich nützt.
Was Sie jetzt tun können: Wenn in Ihrer Familie Teenager leben, sprechen Sie mit ihnen darüber, wie man Fakes erkennt und warum Versprechungen von schnellem Reichtum in Sozialen Medien meist nicht halten, was sie versprechen. Besuchen Sie Saferinternet.at – dort gibt es kostenlose Materialien für die ganze Familie. Und abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine neuen Artikel rund um das Leben in Österreich zu verpassen. Digitale Selbstverteidigung beginnt mit einem offenen Gespräch.
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